Feierabend Kleidung, bequem und schön zugleich?

Der geliebte Jogginganzug ist oft ein Streitthema in einer Beziehung. Der Gatte legt, sobald er Feierabend hat, keinen Wert mehr darauf, wie er sein Erscheinungsbild gestaltet und kleidet sich einfach nur bequem. Hat er Urlaub oder ist Wochenende, mag er aus den Freizeit Klamotten gar nicht mehr herauskommen, er rasiert sich nicht und auch sonst ist es ihm völlig egal, ob seine Frau durch seinen Anblick auf die Palme gebracht wird, oder nicht. Er lümmelt sich vor dem Fernseher, macht sich Gedanken über das Essen, wobei er aber die Zubereitung desselben nicht als sein Problem empfindet und ist über jede Störung erbost. Als würde man für einen Gasgrill Holzkohle kaufen, ist es, wenn man dem Freizeitmann etwas von schöner Kleidung oder Frisuren und Bart-Pflege erzählt.

Dieses Al Bundy Klischee wird in mehr Haushalten bedient, als man denken mag. Die Kommunikationsfähigkeit des Mannes geht gegen Null, und seine Bereitschaft, die Tage zweisam oder gar mit der Familie zu verbringen, sind oftmals quasi nicht vorhanden. Ob dies daran liegt, dass man nach Jahren in einer Beziehung einfach alles als normal empfindet, oder ob ein Mann diese Zeit wirklich braucht, weil er dann wieder voll im Arbeitsstress steht, weiß niemand. Schon der Gedanke daran, dass der heiß geliebte Jogging Anzug nach 15 Jahren einmal wieder gegen einen neuen und ansehnlichen, auf die Veränderungen der Figur zugeschnittenen, Hausanzug ausgetauscht werden soll, lässt Schweißausbrüche und Panik bei den Herren der Schöpfung ausbrechen.

Es gäbe wirklich tolle Ausweichmöglichkeiten, um den alten, zerschlissenen Anzug endlich von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Jedes Mal, wenn die Frau versucht, den ungeliebten Sweater und die längst ausgewaschene Hose in der Altkleidersammlung verschwinden zu lassen, wird das geliebte Stück wieder herausgesucht, ansonsten droht der Haussegen gewaltig schief zu hängen. Meist liegen schon stapelweise neue Jogginganzüge, alle modern und ansehnlich, im Kleiderschrank; Überreste von Versuchen, durch Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke etwas aus dem einst so attraktiven Mann zu machen. Der Griff des Göttergatten erfolgt trotzdem immer wieder auf den alten, ausgeleierten Anzug, aus dem das untere Ende des Bauches schon hervorblickt. Hinzu kommen Haare, die wild zu Berge stehen und ein mindestens Drei- wenn nicht Mehrtagebart.

Nur mit Mühe kann man diese Männer dazu bewegen, sich so zu verändern, dass sie der Frau auch in der Freizeit noch gefallen. Während ihnen selbst jedes Härchen, das nicht sitzt auffällt, oder die Putzkleidung mit einem: Wie du wieder aussiehst! kommentiert wird, fällt ihnen ihr eigenes desolates Erscheinungsbild kaum auf. Resignation bei der Frau ist oft die Folge. Sie hat es aufgegeben, zu meckern und zu zetern, und lässt den Mann einfach Mann sein. Viele greifen zu Tricks und lassen das Bügeleisen einmal auf der Sichtfläche des Jogginganzuges stehen, in der Hoffnung, der Mann würde ihn dann endlich wegschmeißen. Der Haussegen ist in Gefahr, aber danach hat man vielleicht sein Ziel erreicht.